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Vorkommen von Naphthalin in Gebäuden

Nicht jedes ältere Gebäude ist mit Naphthalin belastet. Nach dem heutigen Kenntnisstand treten relevante Belastungen hauptsächlich bei bestimmten historischen Bauweisen auf, bei denen teerhaltige Materialien im Bodenaufbau verwendet wurden.

 

Dieses Kapitel zeigt, welche Gebäude betroffen sein können, wo sich die Schadstoffquelle befindet und weshalb die Belastung häufig erst Jahrzehnte später entdeckt wird.

Kurzfassung: Relevante Belastungen mit Naphthalin treten heute hauptsächlich in Gebäuden auf, die zwischen den späten 1950er- und frühen 1980er-Jahren erstellt wurden und eine teerhaltige Schüttung aus Spreu oder Splitt unter dem Unterlagsboden aufweisen. Die Schadstoffquelle bleibt häufig über Jahrzehnte verborgen und kann selbst nach Renovationen weiterhin die Raumluft beeinflussen. Zusätzlich können sich leichtflüchtige PAK im Laufe der Zeit innerhalb der Bausubstanz ausbreiten und sekundäre Schadstoffquellen bilden. Diese Zusammenhänge sind entscheidend für eine fachgerechte Untersuchung und Sanierung.

Regionale Häufung historischer Gebäude mit bekannten Naphthalinbelastungen und teerhaltigen Bodenaufbauten.

Welche Gebäude können betroffen sein?

Nach den bisherigen Erfahrungen betreffen relevante Belastungen mit Naphthalin vor allem Gebäude, die zwischen den späten 1950er- und frühen 1980er-Jahren erstellt wurden. Innerhalb dieses Zeitraums kamen vereinzelt Bauweisen zur Anwendung, bei denen unter dem Unterlagsboden eine Schicht aus teerölgetränkter Spreu oder Splitt eingebaut wurde. Diese Schicht diente je nach Ausführung als Feuchtigkeitssperre sowie zur Trittschall- oder Wärmedämmung.

Nach heutigem Kenntnisstand konzentrieren sich bekannte Fälle in der Schweiz insbesondere auf die Zentralschweiz sowie den Raum Bern. Weshalb diese Bauweise regional gehäuft vorkommt, ist bisher nicht abschliessend geklärt. Es wird vermutet, dass einzelne Baustofflieferanten oder regionale Baupraktiken dabei eine Rolle gespielt haben.

Das Baujahr allein genügt nicht, um eine Belastung zu beurteilen. Entscheidend ist, welche Materialien beim Bau tatsächlich verwendet wurden.

Wo befindet sich die Schadstoffquelle?

Die Hauptquelle für Naphthalin befindet sich in der Regel unterhalb des Unterlagsbodens. Dort wurde eine etwa zwei bis drei Zentimeter starke Schicht aus teerölgetränkter Spreu oder Splitt direkt auf den Rohbeton aufgebracht. Darüber folgen der Unterlagsboden und der eigentliche Bodenbelag.

Da diese Schicht vollständig vom Bodenaufbau überdeckt ist, bleibt sie im Alltag unsichtbar. Auch bei späteren Renovationen wird sie häufig nicht entfernt, da oftmals lediglich der Bodenbelag oder der Unterlagsboden ersetzt werden. Dadurch können Gebäude trotz moderner Bodenbeläge weiterhin eine relevante Quelle für Naphthalin darstellen.

Wissen aus der Praxis: Bei Untersuchungen zeigt sich immer wieder, dass Gebäude mit vollständig erneuerten Bodenbelägen weiterhin erhöhte Konzentrationen in der Raumluft aufweisen. Ursache ist häufig die ursprüngliche teerhaltige Schicht, die unterhalb des Unterlagsbodens erhalten geblieben ist.

Weshalb wird die Belastung oft erst nach Jahrzehnten entdeckt?

Viele belastete Gebäude wurden über Jahrzehnte problemlos genutzt. Erst im Rahmen von Umbauten, Schadstoffabklärungen oder aufgrund von Geruchsbeschwerden wird die eigentliche Ursache erkannt.

Hinzu kommt, dass Naphthalin langsam aus den Baustoffen freigesetzt wird. Veränderungen der Bodenaufbauten, Alterungsprozesse oder eine verringerte Dichtheit bestehender Bodenbeläge können dazu führen, dass die Emissionen im Laufe der Zeit zunehmen. Auch die gestiegene Sensibilität gegenüber der Innenraumluftqualität trägt dazu bei, dass heute deutlich mehr Fälle erkannt werden als noch vor einigen Jahren.

Ein Gebäude kann jahrzehntelang genutzt worden sein, ohne dass eine Belastung bekannt war. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass keine Emissionen vorhanden waren.

Wie verbreiten sich die Schadstoffe im Gebäude?

Naphthalin und weitere leichtflüchtige PAK werden kontinuierlich aus der ursprünglichen Schadstoffquelle freigesetzt und gelangen in die Raumluft. Gleichzeitig können sie über viele Jahre in angrenzende Baustoffe wie Rohbeton oder Verputz eindringen.

Dadurch entsteht neben der ursprünglichen Schüttung eine sekundäre Schadstoffquelle innerhalb der Bausubstanz. Diese Erkenntnis erklärt, weshalb selbst nach dem Entfernen der ursprünglichen Schicht weiterhin Emissionen auftreten können und weshalb eine fachgerechte Sanierungsplanung erforderlich ist.

Zu beachten: Das Entfernen der ursprünglichen Schadstoffquelle beseitigt nicht zwangsläufig sämtliche Emissionen. Bei der Planung einer Sanierung muss deshalb immer auch die Belastung der angrenzenden Bausubstanz berücksichtigt werden.

Warum tritt Naphthalin vor allem in der Zentralschweiz und im Raum Bern auf?

Obwohl vergleichbare Gebäude in der ganzen Schweiz errichtet wurden, konzentrieren sich bekannte Problemfälle bislang vor allem auf diese Regionen. Eine gesicherte Erklärung gibt es derzeit nicht. 

Nach Rückmeldungen des Schweizerischen Agrarmuseums Burgrain spielt dabei Dinkelspreu eine entscheidende Rolle. Diese fiel bei der Verarbeitung von Dinkel als Nebenprodukt an und wurde früher unter anderem als Einstreu oder Füllmaterial genutzt. Da die Hauptanbaugebiete des Dinkels im Emmental, Oberaargau, Luzern und Aargau lagen, könnte dies die regionale Verbreitung teilweise erklären.

Zusammen mit Teeröl ergab sich ein Baustoff der sowohl zur Wärme- wie auch zur Trittschalldämmung dient und als Diffusionssperre wirken kann.

Häufige Fragen

Sind nur Wohnhäuser betroffen?

Nein. Belastungen wurden unter anderem in Wohngebäuden, Schulhäusern, Bürogebäuden und öffentlichen Gebäuden festgestellt.

 

Bedeutet ein Baujahr vor 1980 automatisch eine Belastung?

Nein. Das Baujahr liefert lediglich einen ersten Hinweis. Ob tatsächlich eine Belastung vorliegt, hängt von den verwendeten Baumaterialien und dem Bodenaufbau ab.

Kann eine Sanierung des Bodenbelags das Problem lösen?

Nicht unbedingt. Wird die eigentliche Schadstoffquelle unter dem Unterlagsboden nicht entfernt oder fachgerecht abgeschottet, können weiterhin Emissionen auftreten.

Gehört Ihr Gebäude zur potenziell betroffenen Bauperiode?

Ob tatsächlich eine Belastung vorliegt, lässt sich nur durch eine fachgerechte Untersuchung beurteilen. Eine frühzeitige Abklärung schafft Klarheit und bildet die Grundlage für weitere Entscheidungen.

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