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Schadstoffquellen – Woher stammt Naphthalin?

Eine erhöhte Konzentration von Naphthalin in der Raumluft entsteht nicht zufällig. In den meisten betroffenen Gebäuden stammt sie aus historischen Bauweisen, bei denen teerhaltige Materialien unter dem Unterlagsboden eingebaut wurden.

 

Dieses Kapitel zeigt, wo sich die Schadstoffquelle befindet, weshalb sie häufig jahrzehntelang unentdeckt bleibt und warum sich die Schadstoffe mit der Zeit innerhalb der Bausubstanz ausbreiten können.

Kurzfassung: Die häufigste Quelle für Naphthalin in Gebäuden ist eine historische teerölgetränkte Schüttung aus Spreu oder Splitt unter dem Unterlagsboden. Da sich die Schadstoffe über viele Jahrzehnte langsam freisetzen und gleichzeitig in angrenzende Bauteile eindringen können, reicht die Betrachtung der ursprünglichen Quelle allein oft nicht aus. Eine fachgerechte Untersuchung berücksichtigt deshalb sowohl die Schadstoffquelle als auch die Belastung der Bausubstanz.

Schema zur Ausbreitung von Naphthalin aus historischen Bodenaufbauten in angrenzende Bauteile und die Raumluft.

Die primäre Schadstoffquelle

Nach dem heutigen Kenntnisstand befindet sich die Hauptquelle für Naphthalin in der Regel unter dem Unterlagsboden. Dort wurde früher eine Schicht aus teerölgetränkter Spreu oder Splitt direkt auf den Rohbeton aufgebracht. Je nach Bauweise diente diese Schicht als Feuchtigkeitssperre sowie zur Trittschall- oder Wärmedämmung.

Die Schicht ist meist etwa zwei bis drei Zentimeter stark und wird vollständig vom Bodenaufbau überdeckt. Dadurch bleibt sie im normalen Gebäudebetrieb unsichtbar und wird häufig auch bei Renovationen nicht entfernt.

Die eigentliche Schadstoffquelle befindet sich meist verborgen unter dem Unterlagsboden.

Bleibende Schadstoffquellen

Bei vielen Umbauten werden lediglich Bodenbeläge oder Unterlagsböden ersetzt. Die darunterliegende teerhaltige Schüttung bleibt dabei häufig unangetastet. Dadurch kann Naphthalin auch nach einer umfassenden Renovation weiterhin in die Raumluft gelangen.

 

Ein neuer Boden bedeutet deshalb nicht automatisch eine schadstofffreie Konstruktion.

Manchmal werden Gebäude untersucht, die optisch vollständig modernisiert wirken. Erst eine Untersuchung des Bodenaufbaus zeigt, dass sich die ursprüngliche Schadstoffquelle weiterhin unterhalb des Unterlagsbodens befindet.

Ausbreitung der Schadstoffe

Naphthalin und weitere leichtflüchtige PAK werden über Jahrzehnte kontinuierlich aus der teerhaltigen Schüttung freigesetzt. Gleichzeitig diffundieren sie langsam in angrenzende Bauteile.

Untersuchungen zeigen, dass sich die Schadstoffe insbesondere im Rohbeton sowie teilweise auch im Verputz anreichern können. Dadurch entsteht neben der ursprünglichen Schüttung eine sekundäre Schadstoffquelle innerhalb der Bausubstanz.

Diese Erkenntnis erklärt, weshalb selbst nach dem Entfernen der ursprünglichen Schüttung weiterhin Emissionen auftreten können.

Zu beachten: Die ursprüngliche Schadstoffquelle und die belastete Bausubstanz müssen getrennt betrachtet werden. Wird nur die Schüttung entfernt, können weiterhin Emissionen aus dem Rohbau auftreten.

Potenzielle weitere Quellen

Historische teerhaltige Schüttungen stellen nach heutigem Kenntnisstand die häufigste Ursache relevanter Belastungen in der Schweiz dar. Daneben können auch andere teerhaltige Bauprodukte oder einzelne ältere Materialien leichtflüchtige PAK freisetzen.

 

Welche Quelle tatsächlich vorliegt, lässt sich jedoch nicht anhand des Baujahrs oder eines Geruchs beurteilen. Erst eine systematische Untersuchung der Raumluft und des Gebäudeaufbaus ermöglicht eine eindeutige Zuordnung.

Nicht jede erhöhte Konzentration von Naphthalin stammt automatisch aus einer teerölgetränkten Schüttung. Deshalb sollte die Ursache immer fachlich abgeklärt werden.

Schadstoffquellen erkennen

Eine erfolgreiche Sanierung beginnt nicht mit dem Entfernen von Materialien, sondern mit dem Verständnis der Emissionsquelle.

Erst wenn bekannt ist,

  • woher die Schadstoffe stammen,

  • welche Bauteile betroffen sind,

  • wie weit sich die Schadstoffe innerhalb der Bausubstanz ausgebreitet haben,

 

kann eine wirtschaftlich und technisch sinnvolle Sanierungsstrategie entwickelt werden.

Die Erfahrung zeigt, dass eine unvollständige Ursachenanalyse häufig zu unnötigen Kosten oder unzureichenden Sanierungserfolgen führt. Genau deshalb bildet die Quellenermittlung einen zentralen Bestandteil jeder fachgerechten Untersuchung.

Häufige Fragen

Liegt die Schadstoffquelle immer unter dem Boden?

In den meisten bekannten Fällen ja. Sie befindet sich oft unter dem Unterlagsboden, direkt auf dem Rohbeton.

Kann sich Naphthalin im Beton festsetzen?

Ja. Untersuchungen zeigen, dass leichtflüchtige PAK über Jahrzehnte in angrenzende Bauteile diffundieren und dort sekundäre Schadstoffquellen bilden können.

Verschwindet das Problem nach dem Entfernen der Schüttung?

Nicht zwingend. Ob weitere Emissionen aus der Bausubstanz auftreten, muss im Rahmen der Untersuchung und Sanierungsplanung beurteilt werden.

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