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Untersuchungsmethoden
Wie wird eine Naphthalinbelastung zuverlässig festgestellt?

Gerüche oder das Baujahr eines Gebäudes liefern erste Hinweise, erlauben jedoch keine sichere Beurteilung. Erst eine systematische Untersuchung der Raumluft und der Bausubstanz zeigt, ob eine Belastung vorliegt, wo sich die Schadstoffquelle befindet und welche Massnahmen sinnvoll sind.

 

Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die heute bewährten Untersuchungsmethoden.

Kurzfassung: Eine fachgerechte Untersuchung beginnt mit einer Raumluftmessung und wird bei Bedarf durch gezielte Untersuchungen der Bausubstanz ergänzt. Erst das Zusammenspiel verschiedener Methoden ermöglicht eine zuverlässige Aussage über die Belastung, die Schadstoffquelle und den erforderlichen Handlungsbedarf. Eine systematische Vorgehensweise bildet deshalb die Grundlage jeder erfolgreichen Sanierung.

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Warum reicht der Geruch allein nicht aus?

Ein typischer Geruch nach Teer, Mottenkugeln oder chemischen Stoffen kann ein erster Hinweis auf Naphthalin sein. Die Wahrnehmung ist jedoch von Person zu Person unterschiedlich und wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst.

Ebenso können Gebäude mit einer relevanten Belastung geruchlich unauffällig sein. Eine zuverlässige Beurteilung ist deshalb ausschliesslich anhand geeigneter Messungen möglich.

Geruch, Baujahr und sichtbare Hinweise ersetzen keine fachgerechte Untersuchung.

Schritt 1 – Raumluftmessung

Die Raumluftmessung bildet in den meisten Fällen den ersten Schritt der Untersuchung. Sie zeigt, ob Naphthalin und naphthalinähnliche Verbindungen in der Innenraumluft vorhanden sind und ermöglicht eine Einordnung anhand der geltenden Bewertungsgrundlagen.

Bei kleineren Gebäuden genügt häufig ein bis zwei Messungen pro Geschoss. In grösseren Gebäuden empfiehlt sich eine repräsentative Auswahl mehrerer Räume. Erfahrungsgemäss sollten rund 20 bis 30 Prozent der Räume untersucht werden, da die Belastung innerhalb eines Gebäudes unterschiedlich verteilt sein kann.

Die Messungen erfolgen in der Regel unter definierten Bedingungen, damit die Ergebnisse mit den Richtwerten vergleichbar sind.

Wissen aus der Praxis: Eine einzelne Raumluftmessung liefert eine Momentaufnahme. Bei grösseren Gebäuden ist deshalb eine durchdachte Messstrategie wichtiger als möglichst viele Einzelmessungen.

Schritt 2 – Eingrenzung der Schadstoffquelle – Untersuchung des Bodenaufbaus

Ergibt die Raumluftmessung eine relevante Belastung, stellt sich als Nächstes die Frage: Woher stammen die Schadstoffe?

 

Besteht der Verdacht auf eine historische teerhaltige Schüttung, kann der Bodenaufbau gezielt untersucht werden.

Als nützliche Methode stellten sich Schnellsondagen heraus. Dabei wird mit einem Bohrer von rund 10mm Durchmesser ein Loch in den Bodenaufbau gebohrt und mittels eines Endoskops visuell begutachtet. Diese kleinen Sondagen zeigen schnell, ob bekannte Quellen wie Splitt oder Spreu vorhanden sind und helfen der Eingrenzung der Belastung innerhalb des Gebäudes. 

Sind signifikante Verdachte einer Belastung vorhanden, so sind bereits in einem ersten Schritt kleine Sondagen des Bodenaufbaus empfehlenswert. Die Untersuchung erfolgt möglichst schonend und ermöglicht eine eindeutige Zuordnung der Schadstoffquelle.

Zu beachten: Eine Sondage ersetzt keine Raumluftmessung. Erst das Zusammenspiel aus Raumluftanalyse, Bauteiluntersuchung und Kenntnis des Gebäudeaufbaus erlaubt eine fundierte Gesamtbeurteilung.

Schritt 3 – Selektive Messungen

Zur Eingrenzung der Quelle können des Weiteren selektive Untersuchungen einzelner Bauteile durchgeführt werden.

Hierzu werden sogenannte Messboxen verwendet, die luftdicht auf Boden, Wand oder Decke aufgesetzt werden. Nach einer definierten Messzeit wird die Luft innerhalb der Box analysiert. Dadurch lässt sich beurteilen, welche Bauteile besonders stark zur Belastung der Raumluft beitragen.

Selektive Messboxen dienen nicht der eigentlichen Beurteilung der Raumluft, sondern der Lokalisierung der Emissionsquelle.

Warum ist eine systematische Vorgehensweise wichtig?

Eine erfolgreiche Untersuchung beantwortet nicht nur die Frage, ob eine Belastung vorliegt.

Sie zeigt auch:

  • welche Räume betroffen sind,

  • wo sich die Schadstoffquelle befindet,

  • welche Bauteile Emissionen verursachen,

  • ob sich Schadstoffe bereits innerhalb der Bausubstanz ausgebreitet haben,

  • welche Sanierungsmassnahmen technisch sinnvoll sind.

Dadurch können unnötige Eingriffe vermieden und Sanierungen gezielt geplant werden.

Weshalb werden Raumluft und Bausubstanz getrennt untersucht?

Die Raumluft zeigt die aktuelle Belastung der Nutzerinnen und Nutzer. Die Bausubstanz zeigt die Ursache.

Ein Gebäude kann beispielsweise trotz identischer Schadstoffquelle unterschiedliche Raumluftkonzentrationen aufweisen – abhängig von Nutzung, Lüftung, Temperatur oder Bodenaufbau. Umgekehrt kann eine erhöhte Raumluftbelastung nur dann nachhaltig reduziert werden, wenn die eigentliche Emissionsquelle bekannt ist.

Gerade deshalb sollte die Untersuchung nie auf eine einzelne Messung reduziert werden, sondern immer als Gesamtkonzept betrachtet werden.

Häufige Fragen

Kann ich mein Gebäude selbst beurteilen?

Erste Hinweise lassen sich oft erkennen. Ob tatsächlich eine relevante Belastung vorliegt, kann jedoch nur durch geeignete Untersuchungen festgestellt werden.

Muss der Boden geöffnet werden?

Nicht immer. In vielen Fällen liefert bereits die Raumluftmessung wichtige Erkenntnisse. Ob weitere Untersuchungen notwendig sind, hängt vom Einzelfall ab.

Wie lange dauert eine Untersuchung?

Das richtet sich nach der Grösse des Gebäudes und dem Umfang der Abklärungen. Eine erste Raumluftuntersuchung kann häufig innerhalb weniger Tage geplant und durchgeführt werden. Mit der Analyse und Auswertung der Messungen, also von der Messung bis zum Bericht, dauert es rund einen Monat.

Möchten Sie Klarheit über die Raumluftqualität Ihres Gebäudes?

Mit einer systematischen Untersuchung lassen sich Belastungen zuverlässig beurteilen und die Ursachen gezielt eingrenzen. Das schafft eine fundierte Grundlage für alle weiteren Entscheidungen.

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